Kein Hund, der alles liebt
Ein Gordon Setter ist hochintelligent und extrem eigenständig. Er denkt mit. Und genau das wird vielen Besitzern zum Verhängnis. Wenn er sich langweilt, findet er Beschäftigung — meistens auf Kosten deiner Möbel, Schuhe oder Tapete. Er ist kein Hund, der stundenlang brav neben dem Sofa liegt und auf Streicheleinheiten wartet. Er braucht Aufgabe. Ohne sie wird er zum Problem. Wer einen Gordon hat, hat keinen „netten Hund". Er hat einen Partner, der Respekt und klare Regeln verlangt. Wer das nicht liefern kann, sollte lieber einen Labrador nehmen.
Ein gelangweilter Gordon zerlegt Ihre Wohnung. Systematisch.
PRA, Dysplasie, Bloat — die Fakten
Gesundheitlich ist die Rasse kein Sonntagsspaziergang. Die Progressive Retina Atrophie (PRA-rcd4) ist ein großes Thema: rund 50 % der Hunde sind Träger der Mutation. Bei homozygoten Tieren kommt es in 19 von 21 Fällen zur Erblindung. Ein DNA-Test vor der Zucht ist daher Pflicht. Hüftdysplasie kommt vor, Magendrehung (Bloat) ebenfalls — und das kann innerhalb weniger Stunden tödlich enden. Wer einen Gordon kauft, muss wissen, dass diese Rasse nicht nur teuer im Unterhalt ist, sondern auch teuer in der Tierarztpraxis. Wer das nicht akzeptiert, sollte sich keinen holen.
DNA-Test auf PRA-rcd4 beim Tierarzt. Ohne diesen Test sollte kein seriöser Züchter Welpen abgeben. Punkt.
10 bis 20 Kilometer. Täglich.
Ein Gordon Setter braucht 10 bis 20 Kilometer echte Bewegung am Tag. Kein gemütliches Ründchen durch den Stadtpark. Er will Wald, Feld, Moor, Wind und Dreck. In einer kleinen Stadtwohnung ohne Garten ist es möglich — aber nur, wenn du bereit bist, jeden Tag zwei Stunden echte Arbeit zu leisten. Sonst wird der Hund unglücklich und du auch. Viele unterschätzen das komplett. Dann steht der schöne schwarze Hund in der Wohnung und zerlegt sie systematisch. Das ist keine Bosheit. Das ist Langeweile eines Arbeitshundes.
1.000–1.800 Euro. Dann warten.
Ein Gordon Setter mit vollem VDH/FCI-Papier kostet in Deutschland zwischen 1.000 und 1.800 Euro. Es gibt nur 20 bis 25 seriöse Zuchten und etwa 80 Welpen pro Jahr. Wartezeiten von 6 bis 12 Monaten sind normal. Ohne Papiere ist der Preis natürlich niedriger — aber du kaufst dann oft ein Tier aus dubioser Herkunft. Rote Flaggen: Züchter, die mehrere Würfe gleichzeitig haben, keine Gesundheitstests machen oder Welpen schon mit 6 Wochen abgeben. Wer hier spart, zahlt später doppelt — beim Tierarzt oder im Tierheim.
Gordon vs Irish vs English
Der Gordon ist der sturste und arbeitswilligste der drei großen Setter. Der Irish Setter ist schneller, extrovertierter und deutlich geselliger — aber auch chaotischer. Der English Setter ist der Leichteste und Feinste, fast schon sensibel. Der Gordon liegt dazwischen: robuster als der English, ernster als der Irish. Wer einen echten Arbeitshund für schweres Gelände sucht, nimmt den Gordon. Wer einen geselligen Familienhund mit Jagdtrieb will, greift eher zum Irish. Wer etwas Leichteres und Feineres sucht, zum English. Jede Rasse hat ihren Platz — nur nicht bei jedem Menschen.
Ideal und ungeeignet
Der Gordon Setter ist ideal für Jäger, Menschen mit eigenem Grundstück, aktive Paare oder Singles auf dem Land, die jeden Tag mehrere Stunden draußen sind. Er ist absolut ungeeignet für Leute, die 10 Stunden arbeiten, in einer kleinen Stadtwohnung ohne Garten leben oder kleine Kinder haben, die noch nicht verstehen, dass ein 35-Kilo-Hund kein Spielzeug ist. Wer einen ruhigen, pflegeleichten Hund sucht, der sich mit einem Spaziergang um den Block zufriedengibt — der sollte sich einen anderen Vierbeiner suchen. Punkt.